Tizians "Madonna des Hauses Pesaro" in der Friari-Kirche in Venedig gilt als epochenmachnedes Werk neuzeitlicher Malerei. In diesem Altarbild führen ein neues künstlerisches Selbstbewusstsein und die Ansprüche des Auftraggebers zu einem Traditionsbruch in doppelter Hinsicht. In der Absage an Darstellungskonventionen und im Arbeitsprozess Tizians manifestiert sich der "moderne", über seine Mittel frei verfügende Maler der Renaissance. Gleichzeitig dient die Ikonographie des Bildes einer für Venedig ungewöhnlichen Selbstdarstellung des Stifters ß das Ergebnis einer besonderen historischen Konstellation von Familienpolitik, Parteienkampf im venezianischen Patriziat, päpstlicher Kreuzzugspropaganda und der Selbstbehauptung einer Franziskanerklosters.